Sprachentwicklung und Sprachförderung in der

 

Kindertagespflege


Diese war meine Abschlussarbeit zur Ausbildung "Qualifizierungskurs der Kindertagespflege Curriculum DJI 160 Stunden"

 

 

 

 Einleitung

 

Die Sprachentwicklung eines jeden Kindes verläuft ganz individuell. Kein Kind wird die folgenden Phase exakt so durchlaufen, es handelt sich bei den Angaben um Durchschnittswerte, nicht um Normen. Manche Kinder legen Pausen in ihrer Sprachentwicklung ein, weil sie vielleicht gerade mit einem anderen Entwicklungsfeld intensiv beschäftigt sind z.B. Laufen lernen. Auch kann es vorkommen das Kinder manche Schritte „auf einmal“ lernen.

JEDES KIND HAT SEIN EIGENES TEMPO!

 

Manchmal kommt es allerdings doch zu Verzögerungen in der Sprachentwicklung und es besteht die Gefahr, dass das Kind dadurch Probleme bekommt.

Hier will ich ansetzen und aufzeigen wie die Sprachentwicklung im ersten, zweiten und dritten Lebensjahr verläuft und wie ich das Kind fördern kann!

 

Grundvoraussetzung für die Sprachentwicklung

 

Für die Sprachentwicklung müssen einige Grundvoraussetzung geschaffen sein. Denn zum Sprechen müssen wir in der Lage sein bestimmte Mund- und Zungenbewegungen auszuführen, außerdem müssen wir die Zwerchfellmuskulatur und die Muskulatur der Stimmbänder beherrschen.

Das Gehör muss vollkommen intakt sein und auch das Sehen ist enorm wichtig.

Monate bevor das Kind seine ersten Laute von sich gibt, war seine Sprachentwicklung bereits in vollem Gange. Von Anfang an und auch schon im Mutterleib hört, sieht, riecht, fühlt und schmeckt es – alles Grundlagen die es für eine gesunde Sprachentwicklung braucht.

Wenn alle organischen Voraussetzungen gegeben sind, steht dem Spracherwerb nichts mehr im Wege.

 

Entwicklung und Förderung im ersten Lebensjahr

 

In seinem ersten Lebensjahr kann das Baby noch nicht sprechen, aber es erwirbt schon die grundlegenden Fähigkeiten, die es brauchen wird, um das Sprechen und die Kommunikation zu erlernen. Diese Phase, bis zum ersten richtigen Wort, wird vorsprachliche Entwicklungsphase genannt.

 

Das Baby bevorzugt menschliche Laute und Sprache gegenüber allen anderen Geräuschen, es hört aufmerksam zu und beobachtet schon fasziniert die Mundbewegungen seines Gegenübers. Mit seinem Schreien tritt es intensiv mit seiner Umwelt in Kontakt und trainiert dabei auch seinen Stimmapparat.

Nach einiger Zeit hat das Baby den Zusammenhang zwischen seinem Schreien und der darauf folgenden Reaktion seiner Mitmenschen erkannt. Es übt sich in Kommunikation.

Es bekommt das Gefühl etwas bewirken zu können. Eine sehr wichtige Erfahrung, nicht nur für die Sprachentwicklung.

Ca. ab dem 3. Monat beginnt das Baby sich mit gurren, quietschen, lallen, jauchzen und brabbeln mitzuteilen. Es ist jetzt in der Lage bewusst zu lächeln.

Wenn sein Gegenüber erfreut auf diesen Fortschritt reagiert, kann das Baby die ersten „Gespräche“ führen, indem es auf Ansprache reagiert und wiederum eine Antwort abwartet.

Diese Phase wird als die erste Lallphase bezeichnet.

 

Mit ca. 1/2 Jahr erkennt das Baby seinen Namen und wendet z.B. den Kopf, wenn es gerufen wird. Ansonsten versteht es noch keine sprachlichen Inhalte.

In diesem Alter kommt es in die zweite Lallphase. Die Sprache des Babys entwickelt sich von nun an nur weiter, wenn es Sprachäußerungen wahrnehmen und nachahmen kann. Taub geborene Kinder hören in diesem Alter mit der Lautproduktion wieder auf, dass sie weder Mitmenschen noch sich selber hören.

Gesunde Kinder beginnen hingegen nun ganze Silben und Silbenverdopplungen wie z.B. lalalala zu lallen. Auch versuchen sie die Lautäußerungen ihrer Umgebung nachzuahmen. Das Baby beginnt schon Namen von Gegenständen („Flasche“, „Bett“) und Personen („Oma“, „Opa“) zu verstehen.

Zum Ende des ersten Lebensjahres lallt es ausdauernd und mit viel Freude lange Silbenketten z.B. lalaaaaaaaaa-papa-brrrrr-guguuuu.

Die Eltern warten nun auf das berühmte erste Wort, nämlich „Mama“ oder „Papa“ und reagieren überschwänglich wenn sie es aus den Äußerungen ihres Kindes heraus zuhören glauben(„mamamama“).

Das Kind weiß zu diesem Zeitpunk meist noch nicht was es da gesagt hat bzw. was damit gemeint ist. Aber dank der erfreuten Verstärkung seiner Mitmenschen erkennt es rasch den Zusammenhang zwischen seinem Lallen und er strahlenden Mama.

Eine sehr wichtige Erfahrung, denn das Kind weiß nun das es Lautäußerungen bestimmte Bedeutungen geben kann, die etwas positives bewirken.

Das Ende der vorsprachlichen Entwicklung ist erreicht.

 

Um das Baby in seiner vorsprachlichen Entwicklung zu fördern ist es wichtig ihm ein anregendes Sprachvorbild zu sein.

Da Babys von Geburt an Sprache aufnehmen, ist es wichtig von Anfang an mit ihnen in sprachlichen Kontakt zu treten. Dies geschieht im täglichen Miteinander beim Füttern, Wickeln, bei der Körperpflege und beim Spiel. Von Anfang an wirkt sich die sprachliche Begleitung vieler Handlungen, Tätigkeiten und Gefühlsäußerungen positiv auf die Sprachentwicklung aus. (z.B. Ansprache was man gerade beim wickeln macht)

Das Baby muss von Anfang an die Erfahrung machen, da? es seine Bedürfnisse äußern und damit rechnen kann, dass ihm geholfen wird. Der Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und der Reaktion der Umwelt kann sich nur einstellen wenn zuverlässig auf das Schreien des Babys reagiert wird. Dies zeigt dem Baby nicht nur wir Kommunikation funktioniert, sondern festigt auch die Bindung.

 

Bereits jetzt (ab ca. 3. Monat) kann man mit Fingerspielen, Kinderreimen und Liedern beginnen. Die Tonart, der Sprachrhythmus und die Wiederholungen fördern die Sprachentwicklung. (z.B. Kommt ein dicker Bär....siehe Anhang)

Für die Babys ist es jetzt besonders erfreulich wenn man sich mit ihm in der Brabbelsprache „unterhält“, also einfach mal das Baby nachmacht.

 

Bei Babys die mit ca. 6 Monaten aufhören Lautäußerungen zu bilden, kann der Verdacht auf Hörprobleme bestehen. Kann das Baby weder sich noch die Umwelt hören bleibt das Lallen nach dem 7. Monat ganz aus und man sollte einen Fachmann aufsuchen.

Zum Ende des ersten Lebensjahrs ist es jetzt sehr wichtig die eigene Freude zu zeigen wenn das Baby etwas äußert, das wie ein Wort klingt. Wenn man das Gesagte wiederholt, das Kind lobt und sich überschwänglich freut, wird das Kind diese Laute immer wieder sagen, um die Freude des Gegenübers zu erleben.

Auf diese Weise lernt es in der nächsten Zeit viele Wörter.

 

Entwicklung und Förderung im zweiten Lebensjahr

 

So wie das Kind „Mama“ und „Papa“ gelernt hat, in dem seinen Lallmonologen Bedeutung verliehen wurde, so lernt es bis zum 18. Monat ca. 2-10 weitere Worte.

Diese neuen Worte beziehen sich ausschließlich auf sichtbare Dinge aus seiner Umgebung. (z.B. „Mimi“ für Milch) Das Kind macht noch sehr häufig Benennungsfehler („wauwau“ ist dann z.B. nicht nur der Hund, sondern auch das Pferd) Dies ist normal, da das Kind eben bisher nur wenige Worte kennt.

Es versteht nun schon Verbote, einfache Fragen und kann kleine Aufträge erfüllen. („Fass das nicht an!“ „Wo ist....?“ „Hol mir...“)

Die bisher willkürlich aneinandergereihten Laute, muss es neu lernen. Zuerst erwirbt es neben Vokalen die Lippenlaute, nämlich m, n, p und b.

Es benutzt nun so genannte Ein-Wort-Äußerungen. Das einzelne Wort kann für einen ganzen Satz stehen. So kann „Tür“ je nach Situation bedeuten: „Das ist eine Tür“, „Mama, mach bitte die Türe auf!“ oder „Papa ist durch die Tür gegangen.“ usw.

Sobald das Kind etwa 50 Wörter spricht, erfolgt die „Wortschatzexplosion“ das Kind lernt von jetzt an sehr viel schneller neue Wörter, so dass es bald ca. 200 Wörter spricht. Es reiht nun zwei Wörter zu einer Art Satz aneinander, um sich mitzuteilen. Es lernt zu unterscheiden zwischen „mein“ und „dein“. Sein Sprachverständnis ist seiner aktiven Sprache nun bereits weit voraus. Nun kommt auch die gezielte Artikulation der Laute w, f, t, d,l und h dazu. Das Kind spricht aber noch recht undeutlich und wird meist nur von seinen Bezugspersonen verstanden. Da es viele Worte stark vereinfacht ausspricht (z.B. „Nane“ statt Banane)

Es befindet sich nun auch im ersten Fragealter und will alles in seiner Umgebung kennenlernen, er fragt: „Das da?“

 

In diesem Abschnitt der Sprachentwicklung kann man das Kind sehr gut fördern. Hat man verstanden was das Kind mit seinen Ein-Wort-Äußerungen sagen will, sollte man sie in einem korrekten einfachen Satz wiederholen. Das Kind lernt so immer mehr Worte zu kombinieren („Ball!“-“Du möchtest den Ball?“) Daran merkt das Kind auch das ihm zugehört wird und das seine Kommunikation Erfolg hat. Dies ist für die weiter Sprechfreude sehr wichtig.

Jetzt ist auch die Zeit um verstärkt Adjektive zu benutzen, um die Eigenschaften von Gegenständen zu beschreibe. (heiße Milch, liebes Kind, schöne Puppe)

Außerdem sind Bilderbücher jetzt sehr interessant. (z.B. Wimmelbücher) Auch malen, singen (z.B. Backe-Backe-Kuchen) und Geschichten zu Bildern erzählen fördern das Kind in seiner Sprachentwicklung. Das „Fingerspiel Frau Zunge“ (siehe Anhang) ist sehr gut für die Förderung der Mundmotorik geeignet.

 

Entwicklung und Förderung im dritten Lebensjahr

 

In diesem Alter wendet das Kind zwar noch kaum Regeln des Satzbaus an, es reiht aber mehr als 2 Wörter aneinander. Es hat auch bemerkt, dass bestimmte Wörter im Satz angepasst verwendet werden. So sagt es nicht „groß Hund“, sondern „großes Hund“ was aber immer noch nicht richtig ist. Es zeigt aber deutlich, dass das Kind beginnt sprachliche Regeln wahrzunehmen.

Manche Kinder beginnen von sich schon als „Ich“ zu sprechen, andere verwenden immerhin ihren Namen, wen sie von sich selber sprechen.

Das Kind macht nun auch Wortneuschöpfungen, wenn es ein Wort nicht kennt und sich dafür ein neues meist sinnvolles ausdenkt(„Blumengieße“ für Gießkanne).

Das Sprachverständnis ist nun soweit entwickelt, dass es das meiste Gesprochene versteht. Die Rachenlaute k, g, ch und r sind die letzten Laute, die das Kind erlernen muss. Auch spricht es relativ deutlich, einige Schwierigkeiten hat es besonders mit Anlautverbindungen wie „tr“ bei Treppe. Der Erwerb von „Was“, „Wo“, „Warum“ usw. leitet das zweite Fragealter ein.

Durch das ständige Fragen erweitert das Kind sein Wissen enorm, wobei auch das Anwachsen des Wortschatzes verbunden ist.

Das Kind wird nun zunehmend für Fremde verständlicher, schwierig bleiben Verbindungen wie „Pfl“ bei Pflaume oder auch Zischlaute wie s, sch, und ch, diese werden oft noch falsch gebildet, was aber noch normal ist.

Das Kind beginnt nun auch komplette Sätze zu bilden und konjugiert auch meist richtig. Fehler sind aber auch hier noch vollkommen normal. Es baut Worte wie „und“, „aber“, „auf“ usw. richtig in Sätze und Fragen ein.

 

Da nun die Zeit der Fragen gekommen ist, lassen sich diese gut in die Förderung mit einbeziehen. Auf Fragen antworten wir immer in einem vollständigen, korrekten Satz. Auch stellen wir Fragen an die Kinder und lassen ihnen Zeit sie zu beantworten, dabei unterbrechen wir sie nicht und lassen sie ausreden. Das Kind erzählen lassen was es erlebt hat („Was hast du auf dem Spielplatz gespielt?“ „Ich habe im Sand gespielt“. „Schön das du so schön im Sand gespielt hast!“)

Kleine Rollenspiele (z.B. Einkaufen), Geschichten zu Bildern erzählen und erzählen lassen, Fingerspiele (10 kleine Zappelmänner siehe Anhang), singen und musizieren, malen und basteln fördern die Sprache des Kindes. Außerdem kann man erste Tischspiele mit Kindern spielen (z.B. Memory, Lotto).


„Eltern, die mitspielen und mit ihrem Kind sprechen, sind die besten Förderer!“

 

 Quellennachweis

 

www.familie.de/foerdern

www.knetfeder.de/kkp/sprache.html

www.logopaedie-wiedemann.de/rat_spiele.html

 

 Anhang

 

Kommt ein kleiner Bär,

mit 2 Fingern am Arme des Kindes hoch klettern

kommt ein kleines Mäuschen,

mit 2 Fingern am Arm des Kindes hoch klettern

kommt ein kleiner Floh,

wieder mit 2 Fingern am Arm hoch klettern

und macht sisesise so.

Kind am Bauch kitzeln

 

Frau Zunge wohnt in einem Haus

mit der Zunge über die Lippen fahren

und schaut auch mal zum Fenster raus.
Zunge herausstrecken
Sie schaut nach oben …
Zunge nach oben zur Lippe bewegen
... und auch runter
Zunge zur unteren Lippe bewegen
und winkt der Nachbarin ganz munter.
ausgestreckte Zunge schnell nach rechts und links zu den Mundwinkeln führen
Sie putzt die Zähne außen ...
mit der Zunge über die äußere Zahnreihe streichen
... und innen
mit der Zunge über die innere Zahnreihe streichen
und fegt die Backen auch noch drinnen.
mit der Zunge die rechte und linke Backenwand raus drücken
Sie lacht dabei und ist ganz froh
Mund zum Lachen bewegen
und macht auch zwischendurch mal so.
Wangen aufblasen und Luft aus pusten/ Backen platzen lassen
Den Staubsauger nimmt sie sodann.
Zunge rollen, leicht an die Mundöffnung bringen und summen
Ihr Haus, das wackelt ab und an.
Kiefer nach rechts und links bewegen
Am Abend legt sie sich zur Ruh
gähnen, dann, offene Mundstellung, Zunge liegt ruhig auf der Lippe
und schließt ganz schnell ihr ...
Zunge zurück in den Mund nehmen
... Häuschen zu.
Mund schließen

 

Haltet eure Hände etwas vom Körper weg, wackelt mit den Fingern und führt die beschriebenen Bewegungen mit den Armen aus.

Zehn kleine Zappelmänner zappeln hin und her,
zehn kleinen Zappelmännern fällt das gar nicht schwer.

Zehn kleine Zappelmänner zappeln auf und nieder,
zehn kleine Zappelmänner tun das immer wieder.

Zehn kleine Zappelmänner zappeln ringsherum,
zehn kleine Zappelmänner, die sind gar nicht dumm.

Zehn kleine Zappelmänner spielen gern Versteck,
zehn kleine Zappelmänner sind auf einmal weg!

Hände hinterm Rücken verstecken

Zehn kleine Zappelmänner sind nun wieder da,
Hände wieder hervorholen
zehn kleine Zappelmänner rufen laut: "Hurra!"
Die Arme in die Höhe strecken und das "Hurra" besonders laut rufen.